Mittendrin leben.

Soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz

Der öffentliche Raum spielt für die soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle. Doch was braucht es für eine inklusive soziale und räumliche Umwelt? Dies diskutierten Fachpersonen und Publikum an der Veranstaltung «Mittendrin leben. Soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz» der Stiftung Plattform Mäander und der Paulus Akademie am 24. Oktober 2023.

Menschen mit einer Demenzerkrankung bilden keine homogene Gruppe, wie Dr. Barbara Pichler von der Universität Wien und dem Verein Sorgenetz betonte. Sie beschäftigt sich damit, welchen Herausforderungen Menschen mit Demenz im öffentlichen Raum begegnen und welche Strategien die Betroffenen haben. In Interviews mit Menschen mit einer demenziellen Erkrankung kristallisierte sich die folgende Typologie heraus.

Personen mit einer sozialen Grundhaltung
Sie fragen andere Menschen vor Ort, wenn sie unterwegs Hilfe brauchen. Also sind sie darauf angewiesen, dass Passanten und Berufstätige im öffentlichen Raum (wie z.B. Angestellte des öffentlichen Verkehrs) aufmerksam sind und sie unterstützen. Initiativen zur Information der Öffentlichkeit und Schulungsangebote für Angestellte mit Kundenkontakt setzen hier an.

Personen mit einer individuellen Grundhaltung
Sie orientieren sich an räumlichen Markern (wie z.B. markante Gebäude) und benötigen als Unterstützung leicht lesbare Fahr- und Orientierungspläne und einfach bedienbare technische Hilfsmittel. Unternehmen und Behörden sind gefordert, das Thema Demenz aufzunehmen und entsprechende Massnahmen in ihrem Verantwortungsbereich umzusetzen.

Handlungsbedarf von der Kantonspolizei Zürich erkannt
Agnes Leukens und Thomas Patrik von der Fachstelle Seniorenschutz zeigten auf, was die Kantonspolizei Zürich benötigt, um den Herausforderungen im Umgang mit Menschen Demenz zu begegnen: Erstens Kenntnisse über die Krankheit und zum Umgang mit Betroffenen und zweitens die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und der Bevölkerung. An diesen Punkten setzen die Massnahmen der Kantonspolizei an.

Erfolgsfaktoren für demenzfreundliche Gemeinden
Auf dem Weg zur demenzfreundlichen Gemeinde bietet Alzheimer Zürich Unterstützung, wie ihre Geschäftsführerin Christina Krebs berichtete. Information, Schulung und die Nutzung von Synergien sind auch hier die Erfolgsfaktoren. Besonders wichtig ist es, dass verschiedene Akteure wie Institutionen, Vereine oder Geschäfte etc. miteinbezogen werden, denn sie sind in Kontakt mit der Bevölkerung und können dazu beitragen, dass Menschen mit und ohne Demenz aktiv am sozialen Leben in der Gemeinde teilhaben.

Normalität im Umgang mit Menschen mit Demenz
Eine kontroverse Diskussion unter der Moderation von Dr. Ruth Baumann-Hölzle, Stiftungsratspräsidentin der Plattform Mäander, schloss die Veranstaltung ab. Schauen heute alle nur für sich, oder zeigen Sensibilisierungsmassnahmen für das Thema Demenz Wirkung? Wird die Krankheit tabuisiert, oder ist der Fokus auf die Defizite bei einer Erkrankung ein Problem für einen angemessenen Umgang mit dem Thema? Auf viele solcher Fragen gibt es keine einfache Antwort. Aber der eine Wunsch aus dem Publikum war nicht schwierig zu verstehen, nämlich «dass wir in Zukunft mit einer Person mit Demenz mit einer Normalität umgehen, wie wir das heute mit jemandem mit einem Gips am Bein tun».

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