Online-Blick hinter die Kulissen:
«Neue Kinofilme mit Menschen mit Demenz als beeindruckende Protagonist:innen»
Diesen Herbst laufen mit «Wenn die Erinnerung verblasst» und «Das unendliche Jetzt» zwei Filme im Schweizer Kino, in welchen Menschen mit Demenz selbst im Zentrum stehen. Beim Online-Blick hinter die Kulissen interessierten uns unter anderem die Erfahrungen der Filmschaffenden bei der Arbeit mit Demenzbetroffenen. Auch über die Chancen und Herausforderungen, die bei dieser Art der Zusammenarbeit auftreten können, haben wir gesprochen.
Menschen mit Demenz sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer demenzfreundlichen Gesellschaft. Doch wie gelingt dies so, dass ihre Persönlichkeit, ihre Würde und ihre Selbstbestimmung gewahrt bleiben? Wie kann ein Film Einblick in ein Leben mit Demenz geben, ohne die beteiligten Menschen auf ihre Erkrankung zu reduzieren?
Darüber sprachen wir mit den Filmschaffenden Martina Rieder und Kaspar Kasics. Sie erzählten von ihren Dreharbeiten mit Menschen mit Demenz, welche überraschenden Momente sie erlebt und was sie dabei über die Zusammenarbeit mit Menschen mit Demenz gelernt haben. Ein paar wichtige Erkenntnisse:
- Menschen mit Demenz verfügen über Ressourcen und Kompetenzen. Diese wahrzunehmen, einzusetzen und wertzuschätzen, trägt zu einem guten Leben mit Demenz bei.
- Offen über Demenz zu sprechen, ist für alle Beteiligten wichtig.
- Wer Demenzbetroffenen begegnet, trifft auch auf Humor und Kreativität.
- Authenthische Geschichten von Menschen mit Demenz verändern die Demenzbilder in der Gesellschaft.
In der abschliessenden Runde zeigten sich die Teilnehmenden berührt vom radikalen «Leben im Jetzt», das Demenzbetroffene oftmals auf eine beeindruckende Weise vorleben.
Über die Filme «Wenn die Erinnerung verblasst» von Martina Rieder und Marianne Pletscher und «Das unendliche Jetzt» von Kaspar Kasics:
«Wenn die Erinnerung verblasst» von Martina Rieder und Marianne Pletscher
Inhalt:
Seit elf Jahren lebt Birgitta Martensson mit Alzheimer – und seit elf Jahren besteht sie darauf, dass ihr Leben trotzdem ein gutes Leben ist. Sie weiss genau, was sie erwartet: Fünfzehn Jahre lang war sie Direktorin von «Alzheimer Schweiz». Mit Humor und Offenheit ringt sie um ihre Selbstbestimmung, obwohl ihr die Kontrolle über das eigene Leben zunehmend entgleitet. Eines steht fest: Ein Pflegeheim kommt für sie nicht in Frage. Ein intimes und berührendes Porträt über Autonomie, Freundschaft und Würde.
«Das unendliche Jetzt» von Kaspar Kasics
Inhalt:
Was passiert mit Menschen, die an Demenz erkranken? Was passiert mit Ihnen, wenn sie sich dessen bewusst werden? Und was, wenn sie damit szenisch spielen und alles zur Sprache bringen? Kann Demenz unseren Blick auf das Leben verändern? «Das unendliche Jetzt» wagt einen Perspektivenwechsel: Der Film zeigt vier Menschen mit Demenz, die in frei improvisierten Szenen aus dem Moment heraus spielen und das Geschehen selbst gestalten. Dabei werden Fähigkeiten und Seiten ihrer Persönlichkeit sichtbar, die im Alltag verloren schienen.