Theater-Dialog in Steinhausen

28. Mai 2026

Alltägliche Begegnungen mit Menschen mit Demenz können für alle Beteiligten herausfordernd sein. Besonders, wenn das Gegenüber nichts von der Demenz ahnt, sind unangenehme Missverständnisse beinahe vorprogrammiert. Was hilft in diesen Momenten und wie können wir Menschen mit Demenz im Alltag unterstützen? Solche Fragen brachte der Theater-Dialog in Steinhausen lebhaft auf die Bühne.

Ein Mann sitzt im Zug. Der Zugbegleiter kommt und möchte das Billet des Mannes sehen. Der Fahrgast nimmt sein Handy hervor und zeigt es ihm. Doch in der App ist kein Ticket zu finden. Er habe das Billet gelöst, ganz sicher, insistiert der Mann. Wenn es jetzt nicht mehr da sei, müsse das an der App liegen, nicht an ihm. Nach und nach wird der Mann verzweifelter. Er möchte doch so gern zeigen, dass er alles im Griff hat und schämt sich, dass dem offensichtlich nicht so ist. Die Sitznachbarin merkt, dass etwas nicht stimmt, weiss aber nicht, wie sie helfen könnte, während der Zugbegleiter unbeirrt die Busse für das fehlende Billet ausstellt.

Solche und ähnliche Szenen dürften sich in Zug, Bus und Tram oft ereignen. Die hier beschriebene Szene jedoch findet auf einer Theaterbühne statt und wird von den Schauspieler:innen des Theaters act-back gespielt, gleich zu Beginn des Theater-Dialoges in Steinhausen. Sie zeigt den zahlreichen Zuschauer:innen auf, welche Schwierigkeiten auftreten, wenn eine von Demenz betroffene Person im Zug wegen ihrer Krankheit ins Schleudern gerät – und wie hilfreich es wäre, wüsste der Zugbegleiter über die Krankheit Bescheid.

Theater-Dialog Steinhausen Szene 1

In der nächsten Szene erlebt das Publikum, wie der Mann seiner Ehefrau zuhause von der beschämenden Situation im Zug erzählen muss. Sie reagiert mit Vorwürfen, ist überfordert und traurig. Trotz grosser Verbundenheit mit ihrem Mann muss sie sich eingestehen, dass sich ihre Beziehung aufgrund der Krankheit verändert.

Nicht nur Ehepartner, auch entferntere Angehörige sind direkt von einer Demenzerkrankung in ihrem Umfeld betroffen, wie die nächste Szene zeigt. So zum Beispiel, wenn sie ratlos sind, wie sie dem an Demenz erkrankten Bruder und seiner Frau am besten helfen könnten, wenn er kaum mehr redet und sie so tut, als wäre alles wie früher. Nach diesen schwierigen Situationen kommt zum Schluss des Abends Humor ins Spiel: Die Schauspieler imitieren zwei Jugendliche am Bahnhof Steinhausen, die offen sind für eine unkonventionelle Begegnung: Sie gehen aktiv auf eine offensichtlich verwirrten Frau zu und kommen mit ihr ins Gespräch. Am Anfang steht noch die angebotene Hilfe im Zentrum, doch dann erleben die drei zusammen mit dem Publikum einen Moment voller Witz und Situationskomik.

Theater-Dialog Steinhausen Szene 2

Die improvisierten Szenen haben alle etwas gemeinsam: Sie greifen Momente der Begegnung aus dem alltäglichen Zusammenleben auf; mal sind sie komisch, mal erstaunlich und oft sehr berührend. Das Publikum erlebt mit, wie solche Begegnungen entstehen, wo Unsicherheiten auftreten, wie kleine Gesten Verständnis schaffen und dass Gelassenheit und Humor entlasten können.

Begleitet wird der Abend von Dr. med. Irene Bopp-Kistler, Fachärztin für Geriatrie und Demenzexpertin. Sie ordnet das Bühnengeschehen fachlich ein, ergänzte und zeigt auf, was im Alltag tatsächlich helfen kann. So weist sie im Zusammenhang mit der Zugszene auf das Sunflower Lanyard hin, das die SBB und viele weitere Organisationen eingeführt haben. Irene Bopp-Kistler macht rasch klar, weshalb Offenheit oft mehr bewirkt als Perfektion.

Dabei entsteht ein Raum, der zum Nachdenken anregt, neue Perspektiven eröffnet und das Publikum ermutigt, Menschen mit Demenz im Alltag offen und zugewandt zu begegnen.

Theater-Dialog Steinhausen Gespräch

Die Veranstaltung wurde von der Gemeinde Steinhausen, dem Seniorenzentrum Weiherpark, Alzheimer Zug und der Plattform Mäander durchgeführt und wurde unterstützt von der Walder Stiftung.

In der ZugerZeitung wurde über den Theater-Abend berichtet: Zum Artikel