Theater-Dialog in Uster

14. Januar 2026, Stadthofsaal Uster

Wie begegnen wir Menschen mit Demenz im Alltag? Sie leben mitten unter uns – doch oft ist ihre Erkrankung nicht sichtbar. Gerade deshalb kann es zu irritierenden Begegnungen kommen, zum Beispiel in einem Wartezimmer, im Treppenhaus oder an der Tramhaltestelle. Der Theater-Dialog in Uster griff solche Situationen auf und machte sie für das Publikum unmittelbar erlebbar.

Der Mann auf der Bühne beharrte darauf: «Das ist doch Paul! Ich bin mir ganz sicher, Paul sieht genau so aus!». Neben ihm sass seine Tochter, offenbar befanden sie sich im Wartezimmer des Passbüros. Die junge Frau beschwichtigte: «Bitte, Papa. Das ist nicht Paul. Lass den Herren doch jetzt in Ruhe.» Wahrnehmungsveränderungen treten bei einer Demenzerkrankung häufig auf, und so glaubte der Mann tatsächlich, in der Person nebenan seinen alten Freund Paul zu erkennen. Die Situation lief beinahe aus dem Ruder. Zum Glück wurde die Person, die nicht Paul war, gerade rechtzeitig zu ihrem Termin aufgerufen.

Das war nur eine der Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Demenz, die an diesem Abend von Schauspieler:innen vom Theater act-back dargestellt wurden. Das Ensemble mimte auch einen Menschen, der seinem guten Freund erstmals die Diagnose Demenz anvertraute, ein Paar, das nicht wusste, wie es einem offensichtlich verwirrten Nachbarn helfen sollte, und ein älteres Ehepaar, das mit der Erkrankung der Frau rang, weil sie keine Gäste mehr empfangen wollte und er sich gleichzeitig einsam fühlte. Die Situationen waren mal komisch, mal berührend, immer wieder auch sehr versöhnlich. Besonders eindrücklich war, dass die Szenen im Laufe des Abends gemeinsam weiterentwickelt und spontan gespielt wurden.

Theater auf Bühne vor Publikum

Eine zentrale Aufgabe an diesem Theaterabend hatte auch Dr. med. Irene Bopp-Kistler. Im Gespräch mit dem Regisseur ordnete die Fachärztin für Geriatrie und Demenzexpertin das Geschehen ein und erläuterte Handlungsoptionen. Dabei wurde deutlich: Demenz zeigt sich sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist es festzuhalten, dass der Umgang mit Demenz nicht von richtig oder falsch geprägt ist. Viel bedeutender ist die Grundhaltung im Umgang mit Betroffenen: Sie sollen ernst genommen werden, ihre Meinungen und Emotionen darf man stehen lassen – auch wenn sie nicht den eigenen entsprechen. Korrigieren hilft nicht weiter, sondern löst nur mehr Stress aus. Und das Umfeld soll Unterstützung suchen, zum Beispiel bei der lokalen Fachstelle Alter in Uster oder spezifischen Anlaufstellen für Demenz.

zwei Personen diskutieren auf der Bühne

Der Theaterabend machte die rund 200 Anwesenden betroffen, eröffnete damit aber auch einen Raum zum Nachdenken, für den Austausch und neue Perspektiven. Und: Er machte spürbar Mut, Menschen mit Demenz im Alltag vermehrt offen, aufmerksam und zugewandt zu begegnen.

«Mit etwas gemischten Gefühlen betrat ich den Stadthofsaal. Insgeheim hatte ich die Befürchtung, dass jetzt etwas Lustiges dargeboten werden könnte. Wie anders war dann das Erleben! Nie im Leben hatte ich damit gerechnet, dass der Abend eine solche Tiefe, eine solche Feinfühligkeit hervorbringt. Berührend, deutlich und lösungsorientiert, dargestellt von wunderbaren Theatermenschen! Was ich gesehen, gehört und gefühlt habe, hat mich tief berührt.»
Karin Wyss, Ergotherapie am Domizil

Die Veranstaltung wurde von der Stadt Uster und der Plattform Mäander durchgeführt und unterstützt von der Walder Stiftung.